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Besonders im Frühling ist die Sehnsucht nach einem üppigen Blütenreigen im Garten groß. Der Bauerngarten startet mit einem Feuerwerk an Farben und Formen in die Saison. Prächtige Tulpen, himmelblaue Gedenkemein und goldgelbe Gämswurz eröffnen das Frühlingsspektakel! Auf der Obstwiese wiegen sich die Osterglocken im Wind. Die kunterbunte Pflanzengesellschaft weckt die Vorfreude auf weitere Augenweiden, Duftwolken und kulinarische Genüsse. Durch das ganze Jahr ist der Bauerngarten ein Genuss für Leib und Seele.

Beete wie gemalt!

Eine farbenprächtige Blumenfülle und die Vielzahl an gesunden und kräftigen Pflanzen, die sich im dichten Stand ohne festen Bepflanzungsplan wohlfühlen, faszinieren in den wenigen noch vorhandenen Bauerngärten. Neben kulturgeschichtlich interessantem Wildobst wie Holunder, Nutzpflanzen wie Obst, Gemüse, Kräutern und einjährigen Sommerblumen fallen vor allem die jedes Jahr wiederkehrenden Stauden auf. Pfingstrosen, Glockenblumen und duftender Phlox füllen romantische Rabatten. Gamander, Aurikeln und Federnelken säumen akkurat oder rüschend Wege und Sitzplätze. Margeriten, Goldranunkeln und Storchschnabel wachsen schäumend in den Wiesen unter alten Obstbäumen. Und die altmodischen Stockrosen und die anspruchslose Engelwurz fühlen sich als Zaungäste und klassische Charakterpflanzen der ländlichen Gärten wohl.

Zeugnis einer alten Gartenkultur

Diese Bilder entspringen unserer Vorstellung vom Bauerngarten, der das Schöne mit dem Nützlichen verbindet. Die Gärten der Bauern und vor allem der Bäuerinnen sahen jedoch, je nach Region und Lebensstandard sehr unterschiedlich aus und haben sich im Laufe der Jahrhunderte beständig entwickelt. In früheren Zeiten waren sie vor allem sehr zweckmäßig angelegt, mit geraden Wegen und schützenden Zäunen und unterlagen rein praktischen Überlegungen. Für Idylle war kein Platz und blieb keine Zeit. Gartenarbeit war meist kein Vergnügen, sondern Teil des harten bäuerlichen, von einem tiefen Glauben geprägten Alltags. Der Garten diente zunächst vor allem der Selbstversorgung mit Gemüse und Obst, einigen Heilkräutern. Der Anbau von Blumen spielte lange Zeit nur eine untergeordnete Rolle.

Die meisten der alten Landhausgarten-Klassiker wie Pfingstrosen, Akeleien, Schlüsselblumen oder Maßliebchen gehörten schon zum mittelalterlichen Pflanzenschatz der Klostergärten und haben eine lange Tradition als Heil- und Symbolpflanzen. Die historischen Blumenschätze gelangen über die Klostergärten in die Bauerngärten. Die Bauern-Pfingstrose zählt wie Rosen oder Lilien zu den wichtigsten Marienpflanzen und diente zu Fronleichnam als Wegeschmuck und Altarschmuck. Alte Volksnamen wie »Rose ohne Dornen«, Kirchenrose oder Muttergottesrose zeigen die Bedeutung der alten Kulturpflanze an. Verbreitung in den ländlichen Dorfgärten fanden unkomplizierte und wunderschöne Sorten mit prächtiger Ausstrahlung wie die dunkelrot gefüllt blühende Paeonia officinalis 'Rubra Plena'. Wie alle typischen Charakterpflanzen der Bauerngärten ist sie robust und langlebig. Für kapriziöse Gestalten, die mit viel Zeitaufwand gehegt und gepflegt werden müssten, hatten die Bäuerinnen keine Zeit. Eine prächtige Blütenpracht und eine größere Arten- und Sortenvielfalt an Stauden und Sommerblumen wie Dahlien fanden ihren Weg in die ländlichen Gärten erst im 19. Jahrhundert, dem »Jahrhundert der Pflanzen«.

Blumenschätze – über den Zaun gereicht

Viele der betörenden Duftpflanzen und nostalgischen Blütenstauden wie Veilchen und Nachtviolen haben Dichter und Denker zu Versen und Liedern inspiriert und sind untrennbar mit ihnen verbunden. Die Lieblingsblumen, die fast wie von selbst wachsen, reichten die Bäuerinnen über den Zaun von Garten zu Garten. Andere wie Färberkamille, Hopfen und Seifenkraut dienten als wichtige Nutzpflanzen zum Färben, Aromatisieren und Waschen. Vielfach begleiten uns die alten Kulturpflanzen der Bauerngärten wie Christrosen, Schneeglöckchen, Buschwindröschen als Boten der kommenden ersehnten Jahreszeit – als Lebens- und Hoffnungssymbol nach dem kalten frostigen Winter. Vor allem in Frankreich wurden früher zum 1. Mai duftende Maiglöckchen freudig als Glücksbringer begrüßt. Der betörend süße Duft der beliebten alten Bauerngartenstaude ist unvergleichlich und damit selbst zur Duftbezeichnung geworden. Ein kleines Blütensträußchen parfümiert ein Zimmer mehrere Tage lang. Die Stauden fühlen sich im lichten Unterwuchs von eingewurzelten Sträuchern und Bäumen wohl.

Ein Garten der Lebensfreude und der Insektenvielfalt!

Gärten im Stil der alten Bauerngärten bieten auf dem Land und in der Stadt die pure Lebensfreude. Die verschiedenen Lebens- und Wuchsformen, vor allem der mehrjährigen Stauden, zeigen die Vielfalt der Natur. Ihr Jahresrhythmus durch Wachsen, Blühen, Fruchten, Vergehen erfüllt die Gärten mit Leben und lässt den sich verändernden Jahreslauf auf besonders schöne Weise miterleben. Viele der alten, ungefüllt blühenden Bauerngartenstauden mit essbaren Blüten wie Phlox, Indianernessel und Taglilie sowie klassische Kräuter wie Schnittlauch, Thymian, Lavendel, Pfefferminze oder Süßdolde sind kulinarische Überraschungen auf Kuchen, in Limonaden oder Tees und nicht zuletzt wichtige Bienenweiden und Schmetterlingsmagneten.



Text von Anja Birne